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Ein See stirbt und mit ihm eine ganze Region – Menschen wachen auf

 IPS Mittwoch, 10. November 2010

Der Inle-See im Süden Burmas könnte schon bald nur noch Geschichte sein. Im Sommer fiel sein Wasserpegel auf einen historischen Tiefststand. Der Monsun brachte zwar ein wenig Besserung, Aber auf Dauer wird der See – und damit die Menschen der Region – nur überleben, wenn die von Menschenhand geschaffenen Umweltprobleme gelöst werden. (670 Wörter) - Von Mon Mon Myat

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Wasserstandsmarken zeigen den niedrigen Stand im Juli 2010 – Bild: Mon Mon Myat /IPS

Der Inle-See gilt als nationales Erbe. Er liegt 900 Meter hoch im Süden des Shan-Staats. In rund 400 Dörfern leben hier 170.000 Menschen. Nicht nur sie sind auf das Gewässer als Lebensgrundlage angewiesen, es liefert auch Strom aus Wasserkraft für den Süden des Landes.

Zwischen Juli und August fiel der Wasserspiegel auf einen historischen Tiefststand, weite Teile trockneten aus, der See fiel als Transportweg aus, die Wirtschaft litt, fast alle Anwohner waren betroffen . Zwei große Workshops wurden abgehalten, um Lösungen zur Rettung des Sees zu diskutieren. Selbst der Premierminister General. Thein Sein machte sich im August vor Ort ein Bild von der Lage vor Ort.

Regen bringt Linderung

Der einsetzende Monsun hat das Becken wieder ein wenig aufgefüllt, doch Grund, aufzuatmen, gibt es nicht. Die Menschen an den Ufern bangen um ihr großes Pagodenfest mit einem Bootrennen, das jedes Jahr um diese Zeit stattfindet. "Der Pegel steht im Moment bei
1, 20 Meter, und wir hoffen, dass das reicht, um so wie in den Jahren zuvor die Regatten zu fahren", sagt ein Anwohner. Langfristig jedoch können ihm weder Regierung noch Wissenschaftler Hoffnung machen. Sowohl die Qualität als auch die Quantität des Wassers sind ein Problem.

Das Fischerministerium des Shan-Staats entnahm im Sommer Wasserproben, und die Auswertung ergab, dass das Wasser des Inle-Sees inzwischen so basisch ist, dass Fische sterben oder in andere Gewässer abwandern. Gleichzeitig schrumpft das Gewässer durch Erosion, Sedimentation und Holzeinschlag im Einzugsgebiet. Nach offiziellen Messungen beträgt die Fläche des Sees nur noch 70 Quadratkilometer. Vor drei Jahren war sie noch drei Mal so groß.

Schutz des Umlands

Experten empfehlen besseren Schutz des Wassers, des Ufergeländes und der umgebenden Wälder. U Ohn, Generalsekretär einer birmanischen Umweltschutzorganisation, schöpft ein wenig Zuversicht aus der Tatsache, dass sich bei den Workshops 300 Menschen, darunter Beamte und Anwohner, zusammensetzen und "ernsthaft und offen über die Rettung des Sees sprachen".

Tun Yin lebt seit 80 Jahren am See. "Wir konnten immer mit dem Ruderboot von einem Ort zum anderen über den See fahren. Aber dieses Jahr hatten wir enorme Transportprobleme, weil die Wasserwege einfach ausgetrocknet waren", sagt er. Lange Dürreperioden mit Temperaturen von teilweise über 43 Grad Celsius ließen im Sommer die Pegel auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahrhundert fallen und teilweise neue Landverbindungen entstehen.

"Die Boote waren nutzlos und wir konnten auch nicht zu Fuß vorankommen", fügt Tun Yins Tochter hinzu. "Der Seeboden war Marschland. Selbst Trink- und Brauchwasser mussten wir von weither holen." Teilweise bauten die Dorfbewohner Behelfsbrücken, um überhaupt noch von Haus zu Haus zu kommen.

Nicht nur die Fischer und Bauern waren betroffen. Auch die Touristen, die sonst den See wegen seiner beeindruckenden Landschaft, seinen vielen alten Pagoden und Klöstern schätzen, blieben aus. Hotels, Webereien und Goldschmiede, die sonst gute Geschäfte machten, mussten teilweise schließen.

Problem schwimmender Farmen

Experten machen vor allem eine Besonderheit des Sees für sein Schicksal verantwortlich: Schwimmende Inseln, auf denen Landwirtschaft betrieben wird - oft mit exzessivem Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden

Die Inseln bestehen aus dichten Lagen von Algen und Wasserhyazinthen, die so hart und stabil sind, dass Häuser darauf gebaut und Landwirtschaft betrieben werden kann. Die Inseln werden aufgeteilt, können an jeden beliebigen Liegeplatz gezogen werden und wie Landgrundstücke genutzt und gehandelt. Die meisten der Bauern, die sie bewohnen, sagt Umweltaktivist U Ohn, seien sich "nicht bewusst, dass der See langsam stirbt".

"Sie leben vom See. Wir können ihnen nicht einfach ihre Lebensgrundlage wegnehmen, aber unter Umständen müssen wir mit Staatsgewalt eingreifen", sagt er. Es gehe schließlich um die Rettung der Umwelt. "Wir können nicht einfach Kunstdünger und Pestizide verbieten. Wir müssen sie durch biologische Alternativen ersetzen und den Bauern Anreize bieten, bessere Methoden anzuwenden."

Original veröffentlicht von Inter Press Service. © www.streetnewsservice.org

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