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Mindestens Tausend Leichen Aus Massengrab Geborgen

 IPS Freitag, 1. April 2011

Simbabwes sogenannten 'Kriegsveteranen', die der Regierungspartei ZANU-PF nahe stehen, haben in einer stillgelegten Mine rund 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare mit der Bergung von mindestens 1.000 Leichen begonnen. (395 Wörter) - Von Tariro Madzongwe

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IPS_Mindestens tausend Leichen aus Massengrab geborgen

 Kriegsveteranen in Mount Darwin beim Bergen der Leichen – Bild: IPS

Laut ZANU-PF handelt es sich bei den Toten um simbabwische Befeiungskämpfer, die in den 1970er Jahren ihr Leben ließen. Doch der Zustand der Leichen und die unprofessionell durchgeführten Exhumierungen legen den Verdacht nahe, dass es sich bei den Toten wohl eher um politische Gegner der Neuzeit handeln dürfte.

Seit Anfang März haben die Mitglieder der Vereinigung der simbabwischen Kriegsveteranen hunderte von Leichen aus der Mine der Ortschaft Mount Darwin herausgeholt. Von der Existenz des Massengrabs wollen sie nach eigenen Angaben seit langem gewusst haben. Dass sie erst aktiv wurden, begründen sie mit der Notwendigkeit, die menschlichen Überreste der ehemaligen Freiheitskämpfer vor informellen Goldsuchern zu schützen.

Wie der Kriegsveteran George Rutanhire vor Ort erklärte, wird nach den Exhumierungsarbeiten die Suche auf weitere Minen ausgeweitet. Die sterblichen Überreste sollen dann auf dem Mount-Darwin-Friedhof für Kriegshelden bestattet werden.

Verwesungsprozess nicht abgeschlossen

Doch der Zustand der Toten lässt Zweifel am Todeszeitpunkt aufkommen. So meinte ein Pathologe, der sich Anonymität ausbat, dass von Leichen, die 30 Jahre in der Erde lägen, nur noch die Knochen übrig wären. Das treffe auf die Toten von Mount Darwin nicht zu. "Und natürlich dürfte von den Leichen auch kein Geruch mehr ausgehen."

Die Bewegung für den Demokratischen Wandel (MDC), die seit 2008 mit der ZANU-PF eine unkomfortable Regierung der Nationalen Einheit bildet, hält die Toten für ehemalige MDC-Aktivisten, die bei den vielen Gewaltexzessen der ZANU-PF seit 2000 spurlos verschwunden sind. Dafür spricht ihrer Meinung nach auch, dass unqualifizierte Kräfte mit der Bergung der Toten beauftragt wurden. "Das sind MDC-Mitglieder, die von ZANU-PF-Anhängern ab 2000 und vor allem während des Wahlkampfes 2008 ermordet wurden", meint der MDC-Sprecher Kurauone Chihwayi.

ZANU-PF-Sprecher Rugare Gumbo weist die Anschuldigung zurück. "Was soll man auch anderes von der MDC erwarten? Es gehört zu ihrem Standardverhalten, alles zu kritisieren, was die ZANU-PF unternimmt", erklärte er.

Der Trustfonds der ZANU-PF für gefallene Helden hat inzwischen Schulkinder, Lehrer und Dorfbewohner aus den umliegenden Gebieten genötigt, sich die Leichen anzusehen. Als Begründung hieß es, sie sollten abschätzen können, "wie böse Weiße waren".
"All diese Menschen wissen genau, dass es sich bei den Toten um MDC-Mitglieder handelt", meinte Chihwayi. "Die Zwangsbesichtigung der Toten diente der Einschüchterung."

 

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Original veröffentlicht von Inter Press Service. © www.streetnewsservice.org

 

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