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Schützt eure Töchter - bügelt ihre Brüste

 Street News Service Montag, 11. April 2011

„Bitte, lieber Gott, mach, dass meine Brüste verschwinden“, betete Joyce Forghab jeden Abend während des Monats, in dem sie unter dem Bügeln ihrer Brüste litt. Diese schockierende Praxis, die von einem Viertel aller Mütter in Kamerun praktiziert wird, dient dazu, die sexuelle Entwicklung junger Mädchen aufzuhalten. (2864 Wörter) - Von Eva Fernández Ortiz

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A woman walks down the streets of Yaounde, capital of Cameroon, where breast ironing is common practice in many family homes. Photo: Eva Fernández Ortiz

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Ze Jeanne, a mother who ironed her daughters’ breasts. Photo: Eva Fernández Ortiz

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Joyceline Forghab, victim of breast ironing. Photo: Eva Fernández Ortiz

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Dr. Sinou Tchana, doctor whose mother tried to iron her daughter’s breasts. Photo: Eva Fernández Ortiz


Joyce war erst acht Jahre alt, als der Alptraum begann. Ihre Mutter nahm einen flachen Stein, erhitzte ihn ein paar Minuten lang über dem Feuer bis er glühte. "Sie schützte ihre Hände, weil sie wusste, dass der Stein richtig heiß war. Dann nahm sie ihn, drückte ihn ganz fest gegen meine Brüste und massierte sie damit," erinnert sich Joyce, die nun 25 Jahre alt ist. "Es war sehr, sehr schmerzhaft...Ich musste von zu Hause weglaufen. Es war schrecklich."

Joyce Erfahrung ist in Kamerun keine Ausnahme. Schätzungsweise wird ein Viertel aller Mädchen während ihrer Kindheit dieser Praxis unterzogen. Das Bügeln der Brüste ist ein traditioneller Ritus, bei dem flache Gegenstände erhitzt werden. Dann wird versucht mit diesen Gegenständen das Wachsen der Brüste bei Mädchen zu unterdrücken oder rückgängig zu machen. Normalerweise führt die Mutter oder die Tante diese Praktik aus. Um die Brüste zu bügeln, wird oft ein hölzerner Stößel oder ein Stein verwendet - aber auch die Schalen von Kokosnüssen, abgeschliffene Steine, Pfannen, Spateln oder Hammer werden gern verwendet. All diese Gegenstände werden über glühender Kohle erhitzt.

"Das Bügeln der Brüste gibt es schon seit es Kamerun gibt," sagt Sinou Tchana, eine Gynäkologin aus Kamerun, die auch Mitglied in der Ärztinnen-Vereinigung ihres Landes ist. Anfang der 1990er Jahre fuhr die Ärztinnen-Vereinigung durch die 10 Regionen von Kamerun, um herauszufinden, welche Praktiken die Sexualität von Frauen beeinträchtigen. Die Ärztinnen waren erstaunt, wie weit verbreitet der Brauch des Bügelns der Brüste in ganz Kamerun ist.

"Wir erklärten den Frauen, dass das nicht gut ist. Aber die Mütter und Tanten erwiderten uns nur, dass es für sie ganz normal ist, die Brüste der Mädchen zu bügeln, damit deren Wachstum unterdrückt wird. Die erkannten die Gefahr ihres Handelns nicht", erklärt Dr. Tchana.

Weit verbreitet
Renata, eine Frauenvereinigung in Kamerun, berichtete 2006, dass das Bügeln der Brüste vor allem in zwei Landesteilen weit verbreitet ist: An der Küste wird die Praktik bei 53 Prozent der Mädchen angewendet, im Nordwesten des Landes bei 31 Prozent. Die Studie der Organisation zeigte auch, dass das Ritual mehr im christlichen und animistischen Süden (30 bis 50 Prozent) als im muslimischen Norden (10 Prozent) angewendet wird. Auch wenn das Bügeln der Brüste vor allem in Kamerun ein beliebtes Ritual ist, kommt es auch in Guinea-Bissau, sowie in West- und Zentralafrika vor, unter anderem im Tschad, in Togo, in Benin und in Guinea Conakry.

In ihrer Klinik hat Doktor Tchana regelmäßig Kontakt mit Opfern und Tätern. Oft verstehen die Mütter gar nicht, was sie ihren Mädchen damit antun. Sie erinnert sich an eine Mutter, die vor etwa einem Jahr in ihre Praxis kam und um Vergebung bettelte. "Vergeben Sie mir, Doktor. Ich wusste nicht, wie groß die Schmerzen sind, die meine Tochter erleiden muss, bis ich mich selbst verbrannt habe," weinte die Frau. Die Frau hatte die Brüste ihrer Tochter gebügelt und sich dabei selbst die Hand verbrannt. Deshalb entschied sie sich dann zum Arzt zu gehen.

"Wenn sie den Stein vom Feuer nehmen, fangen sie mit einer Brust an. Im Falle dieses Mädchens, war eine Brust enorm zerstört, die andere nicht ganz so. Aber das Ergebnis ist das gleiche: Eine Brust ist nun kleiner als die andere," sagt Dr. Tchana.

Das Bügeln der Brüste kann zu zwei konträren Effekten führen: Einerseits kann es die Größe der Brüste dramatisch reduzieren, so dass die Mädchen flachbrüstig bleiben. Andererseits kann es genau die gegenteilige Reaktion hervorrufen: Dadurch, dass das Brustgewebe zerstört wird, wird die Brust zu einem Fettbeutel ohne jegliche Muskeln und Form. Das ist Joyce passiert.

"Meine Brüste sind durch das Bügeln in sich zusammengefallen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich ein Kind zur Welt gebracht habe. Das Problem hatte ich schon vorher. Ich muss immer einen BH tragen; ich brauche ihn die ganze Zeit, selbst wenn ich schlafe oder wenn ich mein Baby füttere," sagt sie.

"Wirkliche kleine Brüste sind normalerweise darauf zurückzuführen, dass die Familien die Technik richtig angewanden. Das heißt, die Steine sind nicht zu heiß und die Brüste werden gleichmäßig gebügelt. Wenn allerdings die Technik nicht beherrscht wird - zu heiße Steine und schnelles bügeln - sind übergroße Brüste und Verbrennungen die Folge," erklärt Dr. Tchana. Allerdings stehen die Chancen auf eine Rekonstruktion in jedem Fall schlecht. Zudem ist es sehr teuer, da niemand dafür bezahlen würde.

Abgesehen davon, dass das Bügeln der Brüste sehr schmerzhaft ist und psychologisch traumatisch, sind die Mädchen verschiedenen gesundheitlichen Problemen ausgesetzt. Vielen medizinischen Berichten zufolge kann es zu Abszessen führen, Jucken, der Unfähigkeit sein Baby zu stillen, es kann zu Infektionen, einer Deformation oder dem Verschwinden der Brüste führen, sowie zu Zysten, Gewebeschäden und sogar zu Brustkrebs.

"Ich hatte ein Mädchen, das mit 24 Jahren an Brustkrebs starb. Das Bügeln kann zu Krebs führen, wenn es so intensiv betrieben wird, dass das ganze Brustgewebe zerstört ist," erklärt Dr. Tchana.

Warum also?
Warum muss sich, trotz all dieser medizinischen Beweise, immer noch ein Viertel der Mädchen in Kamerun dieser schmerzhaften Praktik unterziehen? Ze Jeanne, eine 57jährige Frau aus Kamerun und achtfache Mutter erklärt uns ihre Gründe. "Wenn die Brüste von jungen Mädchen anfangen zu wachsen, kann jeder Mann kommen und versuchen Sex mit ihr zu haben. Damit wir ihnen helfen können, weiterhin zur Schule zu gehen, müssen wir ihre Brüste bügeln," sagt sie.

Die Frau sitzt ganz ruhig in einem Lehnstuhl in ihrem Haus, 20 Minuten vom Stadtzentrum von Yaoundé entfernt. Ihre Tochter Clarisse liegt neben ihr auf der Couch. Ze erzählt, dass sie die Brüste aller ihrer Mädchen gebügelt hat, wenn diese zu früh angefangen haben zu wachsen.

"In ihrem Fall", sagt Ze und zeigt auf Clarisse, "haben ihre Brüste schon mit neun Jahren angefangen zu wachsen. Mir blieb nichts anderes übrig, als sie zu bügeln, um das zu stoppen." Sie beharrt darauf, dass sie es nicht gemacht hat, um die Brüste des Mädchens zu zerstören, sondern um ihr zu helfen.

Das Bügeln der Brüste wird von Frauen in Kamerun aus vielen Gründen gerechtfertigt. Abgesehen davon, dass es in der Kultur verankert ist, will man damit sexuellen Kontakt zwischen jungen Mädchen und Knaben verhindern. Indem sie das Zeichen für eine sich herausbildende Sexualität unterdrücken, versuchen Mütter sicherzustellen, dass ihre Mädchen jungfräulich und rein bleiben. Sie wollen verhindern, dass die Mädchen für andere sichtbar zu fruchtbaren jungen Frauen - und potenziellen Müttern - werden.

Die Ängste der Mütter sind nicht gänzlich unberechtigt. Frühe Sexualkontakte können zu ungewollten Schwangerschaften unter Teenagern führen, zu unsicheren Abtreibungen, zu Vergewaltigungen oder zur Übertragung von sexuellen Krankheiten. Für viele Mütter ist deshalb das Bügeln der Brüste die bei weitem bessere Option. Sie argumentieren, dass die Praktik aus Liebe und Sorge um ihre Töchter entstanden ist. Aber funktioniert das auch?

Viele der jungen Opfer sagen, dass das Bügeln der Brüste eine extrem schmerzhafte Prozedur ist. Und sie betonen, dass dies nicht die sexuelle Aufmerksamkeit unterdrückt.

"Es ist aber sicherlich nicht der beste Weg, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern - schließlich bin ich ja auch schwanger geworden. Ich hatte ein Kind bevor ich heiratete. Also hat es in meinem Fall gar nichts geholfen. Für mich spielt sich (das sexuelle Bewusstsein) alles im Kopf ab. Wenn man älter wird, denkt man zweimal über die Risiken nach, die man auf sich nimmt", sagt Joyce.

"Es war sehr sehr schmerzhaft...Ich musste von zu Hause weglaufen. Es war schrecklich."

Mutter Ze sieht die Sache ganz anders. Sie glaubt, dass das Bügeln der Brüste sie und ihre Töchter vor ungewollten Schwangerschaften geschützt hat, dadurch dass sie nicht so früh zu frauenhaft aussahen. "Meine Töchter haben akzeptiert, dass das Bügeln der Brüste zu unseren Traditionen gehört. Wenn ein Mädchen noch jung ist, ist es riskant wenn seine Brüste zu schnell wachsen. Es ist riskant für ihre Zukunft. Wenn sie in dem Alter eine ungewollte Schwangerschaft hätte, wären die Dinge später schwierig für sie."

Obwohl Ze glaubt, dass ihre jüngste Tochter Clarisse das Bügeln der Brüste akzeptiert, lässt die Reaktion des Mädchens etwas anderes vermuten. Wenn man Clarisse fragt, ob sie dies mit ihrer Tochter machen wird oder nicht, sagt sie nachdrücklich: "Ich würde das meinem Kind nicht antun."

Die Tabuisierung der Sexualität ist in ganz Kamerun offensichtlich. Bei vielen Mädchen werden die Brüste gebügelt, ohne dass diese überhaupt wissen, warum. "Im Alter von neuen Jahren wissen die Mädchen noch nichts von Sex. Also habe ich es ihnen auch nicht erklärt. Als sie dann aber elf Jahre alt waren und angefangen haben, Fragen zu stellen, warum ich das mit ihnen gemacht hatte, habe ich es ihnen etwas erklärt", sagt Ze, die Mutter.

Joyce hingegen wollte eine Erklärung von dem Moment an, als sie einen heißen Stein auf der Brust hatte. "Meine Mutter erzählte mir, dass ich noch zu jung sei, um Brüste zu haben. Und dass mir Männer näher kommen würden, wenn sie mir jetzt erlauben würde, Brüste zu haben. Sie erzählte mir auch noch, dass ich nie groß werden würde", erinnert sie sich.

Ahnungslose Männer
Joseph Ngondi, ein 29jähriger Mann aus Kamerun, erfuhr vom Bügeln der Brüste erst im Alter von 26 Jahren. Er war in einem Hotelzimmer mit seiner neuen Freundin. Es war ihre erste gemeinsame Nacht. Als sie ihr T-Shirt auszog, sah er, dass sie zwei dunkle Flecken hatte anstatt von Brüsten. Er war schockiert: "Ich habe mich gefragt, was ihr passiert ist. Ich hatte sogar Angst, dass sie vielleicht irgendeine Krankheit hat", sagt Joseph. "Es fiel dem Mädchen auf, dass ich ihre Brüste komisch anschaute und sie versuchte sie zu verbergen. Sie schämte sich."

Er fragte sie, was mit ihren Brüsten geschehen sei. "Dann erzählte sie mir, dass ihre Mutter ihre Brüste gebügelt hat als sie 11 Jahre alt war. Es war nicht einfach für sie, es mir zu erzählen."

Besonders in Städten, wo das Bügeln von Brüsten als Verhütungsmethode verübt wir, wissen viele Männer davon gar nichts. Joseph wusste auch nichts davon: "Erst als ich mit dem Mädchen zusammen war, verstand ich, was das Bügeln der Brüste eigentlich bedeutet. Ich hatte davor schon mal davon gehört, aber ohne, dass jemand es genauer erklärt hätte."

"Vergeben Sie mir, Doktor. Ich wusste nicht, wie groß die Schmerzen sind, die meine Tochter erleiden muss, bis ich mich selbst verbrannt habe"

Viele Mütter in Kamerun, die das Ritual als Verhütungsmethode verwenden, reden nicht mit ihren Verwandten darüber. Georgette Taku, Generalsekretärin der Frauenorganisation Renata, erklärt: "Sie verstecken es, denn oft gibt es keine Diskussion über Sexualerziehung in der Familie. Außerdem sind die Mütter dafür zuständig, sich um die Kinder zu kümmern. Und falls ein Mädchen schwanger wird, ist die Mutter daran schuld. Laut Ms Taku kann der Vater einer Familie aus Kamerun Mutter und Tochter zwingen, das Haus zu verlassen, wenn die Tochter als Teenager schwanger wird.

In ländlichen Gegenden andererseits, in denen das Bügeln der Brüste als Ritus gesehen wird, nicht als Verhütungsmethode, wissen die Männer darüber gut Bescheid. "Hier gibt es nichts zu verbergen. Aufgrund der Tradition ist es nichts schlimmes und jeder in der Familie sollte anwesend sein", sagt Ze, die Mutter.

Joyce, ein Opfer, stimmt zu und erzählt, dass in ländlichen Gegenden Männer die Praktik sogar selber anwenden. "Jeder Mann kennt sich aus. Falls die Ehefrau schon gestorben ist, liegt es an ihnen das Ritual durchzuführen."

"Großmutter will mich brennen"
"Mama, Mama...Bitte komm! Oma möchte mich brennen!" Diesen verzweifelten Anruf hat Dr. Tchana 1997 von ihrer Tochter Kat erhalten. "Sie war damals elf Jahre alt und verbrachte ihre Ferien in Bangangté, dem Dorf, wo ich herkomme. Meine Schwiegermutter ist dort eine sehr angesehene Hebamme und wollte die Brüste von Kat bügeln. Ich werde den Anruf meiner Tochter nie vergessen. Sie hatte so viel Angst. Ich sagte zu Kat: Mach dir keine Sorgen, ich bin auf dem Weg. Sag Oma einfach, dass du mich gerne dabei haben möchtest, wenn deine Brüste gebügelt werden."

Es war ein Freitag, 7 Uhr abends als Dr. Tchana sich in ihr Auto setzte und in das Dorf raste. "Meine Schwiegermutter war sehr aufgebracht darüber, dass meine Tochter angerufen hatte. Ich sagte ihr, sie solle es nicht tun. Ich sei Ärztin und wisse es schließlich besser. Sie erwiderte sie sei Krankenschwester und wisse auch genau, was sie tue. Schließlich wurden die Brüste von Kat nicht gebügelt. Das hätte ich nie zugelassen."

Herkunft
Die geografischen Wurzeln des Ritus sind unklar. Während viele Einwohner Kameruns sagen, dass es eine Tradition aus dem ländlichen Raum ist, gehen andere Quellen wie die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) aus Deutschland davon aus, dass die Praktik öfter in Städten zum Einsatz kam.

Städte gibt es in Kamerun erst seit etwas mehr als einem Jahrhundert, als die jetzige Hauptstadt Yaoundé 1888 gegründet wurde oder auch Douala, die Wirtschaftsmetropole und größte Stadt des Landes. Dies bekräftigt wohl die These, dass es sich um einen ländlichen Ursprung handelt. Außerdem trägt die Tatsache, dass der Ritus in Städten eher kritisiert wird ebenfalls zu dieser Wahrnehmung bei.

Allerdings lässt sich auch das Argument der städtischen Herkunft des Ritus bekräftigen. Da mehr Mädchen in der Stadt als auf dem Land zu Schule gehen, wenden Mütter hier diese Technik vielleicht eher an. Die Töchter sollen ungehindert zu Schule gehen können und eine ungewollte Schwangerschaft soll nicht dazwischen kommen.

Dr Tchana sagt, es wird sowohl in der Stadt als auch auf dem Land praktiziert. Sie geht allerdings davon aus, dass das Risiko in Städten höher ist. "Aufgrund des großen Schmerzes laufen viele Mädchen weg. Auf dem Land gehen sie einfach zu ihrer Tante oder zu Nachbarn, in der Stadt sind die Gefahren beim Weglaufen größer."

Ironischerweise kann die Praktik dadurch zu mehr ungewollten Schwangerschaften führen. Dr. Tchana erklärt: "Viele dieser Mädchen haben nichts und leben deswegen im Haus ihres Freundes. Wenn der Freund dann Sex haben möchte, denken die Mädchen, sie könnten nicht nein sagen. Was also sollen sie tun?"

Der Bauch als Ziel
Leider sind Brüste nicht das einzige was in Kamerun "gebügelt" wird. Das Bauchbügeln, das auch als Massage nach der Geburt bekannt ist, ist eine weitere schmerzhafte traditionelle Praxis. Laut der Organisation Renata ist es noch weiter verbreitet als das Bügeln der Brüste. Es ist genauso qualvoll und hinterlässt bei den Frauen schreckliche physische und psychische Schmerzen.

Beim Bügeln des Bauches wird ein herkömmlicher Besen in kochendes Wasser gehalten. Anschließend wird damit der Bauch einer Frau "gewischt", die gerade entbunden hat. Dann wird ein Handtuch mit kochendem Wasser durchtränkt, um verschiedene Stellen des Körpers zu massieren. In einigen Regionen des Landes müssen sich Frauen sogar auf einen Eimer mit kochendem Wasser setzen, damit der Wasserdampf ihre Vagina und ihren Uterus durchströmt. Sogar das kann zu Verbrennungen, zu Infektionen der Vagina, zur Schädigung der Muttermundes und Narben führen. Die Frauen in Kamerun akzeptieren dies alles, weil es laut Tradition sehr wichtig ist, dass das restliche Blut aus dem Körper gespült wird nachdem man ein Kind zur Welt gebracht hat.

"Es ist praktisch unmöglich, dass die Nachbarschaft nicht mitbekommt, wenn diese Praktik angewendet wird, weil sie von den schmererfüllten Schreien der Opfer in den frühen Morgenstunden geweckt werden", steht im Leitfaden über sexuelle Gesundheit von Renata.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass man, wenn man durch die Stadtviertel von Yaoundé geht, ein Mädchen schreiend aus einem Haus laufen sieht. Fremde reagieren mit Angst: "Was geht hier vor?" "Was passiert mit dem armen Mädchen?" Dies steht in eklatantem Gegensatz zu der Gleichgültigkeit, die von den Bewohnern von Kamerun an den Tag gelegt wird. Sie machen einfach weiter - ohne den Schreien groß Aufmerksamkeit zu schenken.

Ein Zeichen sexueller Reife
Schmerzhafte traditionelle Praktiken, die an Frauen durchgeführt werden, sind in der Menschheitsgeschichte keine Seltenheit. Dazu gehören Riten wie das Zusammenbinden der Füße in China, Korsagen, die Rippen brechen, die Verstümmelung von weiblichen Genitalien sowie der Keuschheitsgürtel im Mittelalter. Diese Praktiken begünstigten Männer - entweder dadurch, dass man sich der Treue der Frauen versichert oder dadurch, dass man ihre Schönheit erhöht und sie dem zeitgenössischen Geschmack anpasst.

Beim Bügeln der Brüste ist das anders. Dies ist eine Praktik, die von Frauen an Frauen angewendet wird zu ihrem eigenen "Wohlergehen" indem sie weniger begehrenswert gemacht werden.

Wenn man die Gesellschaft in Kamerun verstehen will, muss man die Bedeutung der Brüste und ihren symbolischen Wert in Betracht ziehen. "Ein Mädchen kann heiraten, sobald ihre Brüste angefangen haben zu wachsen", erklärt die Sprecherin von Renata, Taku. "Brüste deuten darauf hin, dass Mädchen bereit sind, Sex zu haben."

Während ihrer Schulzeit was Joyce bekannt als "Miss Lolo", weil ihre Brüste schon so früh anfingen zu wachsen. "Ich habe mich sehr geschämt. Ich dachte, dass ich keine Brüste haben sollte, weil meine Eltern sie mir schon in so jungen Jahren gebügelt haben. Brüste zu haben, war wie ein Tabu, wie etwas schlechtes. Wenn ich umherging, gewöhnte ich mir an, meine Hände vor meinen Brüsten zu verschränken, damit sie keiner sieht. Ich fühlte mich nicht frei."

Ze's Mutter hat es mit ihr gemacht, Ze hat es mit ihren Töchtern gemacht und sie zweifelt nicht daran, dass sie es eines Tages bei ihren Enkelinnen machen wird. Sie denkt, sie ist niemand Rechenschaft schuldig. "Die meisten von uns Bantu-Leuten machen es aus Tradition, ohne irgendwelche Erklärungen. Man muss es einfach akzeptieren." Das ist genau die Art und Weise wie die meisten Mädchen in Kamerun damit umgehen sollen: Es einfach akzeptieren und wie Joyce es getan hat, zu Gott zu beten, dass ihre Brüste wieder verschwinden.

Kasten: Kamerun gegen Großbritannien
Kulturelle Normen und die Erziehung sind der Schlüssel zu einer Gesellschaft und ihrer Einstellung zu Frauenrechten und sexueller Entwicklung. Wohingegen Joyce aus Kamerun sich dafür schämte, dass sie im Teenageralter Brüste bekam, musste der Irische Klamottenhersteller Primark im April 2010 die Produktion von gefütterten Bikini-Oberteilen für siebenjährige einstellen. Die Marke geriet in den Fokus der öffentlichen Missbilligung. Politiker wie der Premierminister von Großbritannien, David Cameron, entrüsteten sich, dass derartige Produkte ein "komplett beschämendes Beispiel für eine frühzeitige Sexualisierung" stehen. Wohingegen viele Mädchen in westlichen Ländern unter Druck sind, große Brüste zu haben, möchte man mit dem Bügeln der Brüste in Kamerun das genaue Gegenteil erreichen.

Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche von Sabrina Eisenreich

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