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Verkäufer Weltweit im Rampenlicht

 Street News Service Montag, 21. Februar 2011

Das ist Madona. Sie ist vielleicht nicht so berühmt wie die Madonna, kann sie aber eines Tages immer noch übertreffen. Außerdem wurde Madona Zorjani bereits kurz nach ihrem 18. Geburtstag zu einer Person des öffentlichen Lebens, während niemand von Louise Veronika Ciccone gehört hatte, bevor sie 25 geworden war. Madona ist die inoffizielle Sales Queen der serbischen Straßenzeitung Liceulice. (566 Wörter) - Von Dragana Nikoletic

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Madona Zorjani. Photo: Žarko Andrejić

Verkäuferin: Madona Zorjani

Straßenzeitung: Liceulice

Ort: Belgrad, Serbien

"Darf ich Sie etwas fragen?" spricht sie einen zukünftigen Kunden an, und weiter: "Möchten Sie sich ein neues Magazin ansehen - und vielleicht auch kaufen? Es enthält viele interessante Geschichten über uns Straßenkinder." Die meisten Menschen kaufen dann von Madona, oft auch mehrere Exemplare.

Jedoch ging am Anfang nicht alles so einfach. Madona war das erste Mal, als sie nach dem Verkäufer-Training loszog, um Zeitungen zu verkaufen, sehr nervös.

" Taško (Milan Otašević, ihr Mentor aus dem Workshop) brachte mir bei, wie man auf Menschen zugeht und was man am besten sagt. Aber ich machte mir schreckliche Sorgen darüber, wie ich alle diese Worte herausbringen soll. Ich habe mich immer wieder geweigert, aber als ich merkte dass das Taško traurig machte, ging ich auf die Straße und verkaufte vier Zeitungen in zwanzig Minuten."

Es gibt viele Dinge, die Madona zu etwas Besonderem machen, aber es ist ihr Name, der die Leute am meisten verblüfft.

"Vor ein paar Tagen hat mich die Polizei aufgehalten und gefragt, wer ich bin und was ich tue, aber als ich ihnen antwortete haben sie laut gelacht und gesagt, sie wüssten schon dass Roma lügen. Ich sagte noch einmal 'ich schwöre, mein Name ist Madona' - und sie sagten - 'schwöre nicht, du bist hier nicht vor Gericht.' Schließlich habe ich mich daran erinnert, dass ich ja meine Krankenversicherungskarte dabei hatte, also zeigte ich sie ihnen, und dann mussten sie mir glauben."

Madona wuchs mit vielen Brüdern und Schwestern in Belgrad auf.

"Wenn wir 'wischen gingen' (Windschutzscheiben putzen) oder bettelten, wagte es keiner, sich mir zu nähern. Ich war immer barfuss, schmutzig und trug eine Kappe, und die Leute sprachen mich an als wäre ich ein Junge - Đole oder Đoksi," erklärt sie.

"Jetzt ist es dasselbe - was auch immer getan werden muss, immer heißt es 'Madona, du machst das'."

In der Schule hatte sie es nicht einfach, aber nicht deshalb weil Madona nicht lernen wollte, sondern weil sie keine Autoritäten duldete. Nachdem ein Lehrer immer wieder von ihr verlangt hatte, etwas zu wiederholen, verließ sie das Klassenzimmer - durch das Fenster. Sie kam nie wieder zurück.

"Daraufhin musste meine Mutter eine Strafe von 15 000 Dinaren zahlen", sagt sie und gibt zu, dass das das Einzige ist, was sie bedauert. Sie wurde von der Schule ausgeschlossen, weil sie keine Dokumente hatte, aber schaffte es trotzdem irgendwie, lesen und schreiben zu lernen. Diese Kenntnisse brachten ihr auch neue Pflichten - jetzt wecken Familienmitglieder sie mitten in der Nacht, damit sie ihnen hilft, SMS zu verschicken.

Nachdem sie die meiste Zeit ihres Lebens auf der Straße verbracht hat, führt sie jetzt in dem Zentrum, in dem sie selbst als Verkäuferin ausgebildet worden ist, Schulungen durch.

"Ich bringen jungen Leuten bei was gut und was nicht gut ist - also sage ich ihnen, nicht zu rauchen und keine Drogen zu nehmen, sondern zu lernen. Und wenn die Frauen mit einem Mann schlafen wollen, sage ich ihnen, dass sie sich schützen müssen. Und wenn sie heiraten wollen, rate ich ihnen, vor einer Verlobung zu überprüfen ob der Junge auch ein Dach über dem Kopf hat und sie versorgen kann."

Aus dem Serbischen ins Englische übersetzt von Marijana Rakic

Im Original veröffentlicht von Liceulice © www.streetnewsservice.org

 

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