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Koranschüler zumeist Analphabeten – Regierung will Bildung modernisieren

 IPS Montag, 28. Februar 2011

Die pakistanische Regierung will den Unterricht an den Islamschulen modernisieren. Ein neues Programm soll sicherstellen, dass den Schülern auch grundlegende Kenntnisse in Fächern wie Mathematik, Englisch und Informatik vermittelt werden. (607 Wörter) - Von Ashfaq Yusufzai

IPS_Koranschüler zumeist Analphabeten – Regierung will Bildung modernisieren

Pakistanische Schüler in Peschawar – Bild: Ashfaq Yusufzai/IPS

Die Maßnahme ziele auf eine angemessene Ausbildung von Lehrern und Schülern ab, erklärte Sardar Hussain Babak, der Bildungsminister der nordwestlichen Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa, im Gespräch mit IPS. Die Leiter der Madrasa-Religionsschulen lehnten das Programm jedoch ab Einmischung von außen ab.

"Die meisten dieser Lehrer können nicht richtig unterrichten. Sie verfügen über keine zeitgemäße Ausbildung", sagte Babak. "Die Regierung will sie finanziell und technisch unterstützen, doch dieses Angebot möchten sie nicht."

Nach Angaben des Ministers wurde die Regierung aktiv, weil einige dieser Schulen als Keimzellen des militanten Islamismus gelten. Die geplanten Maßnahmen sollen dabei helfen, die Kluft zwischen staatlicher Bildung und dem Koranunterricht zu überbrücken.

Muhammed Asif, der selbst an der Schule Uma Hatul Momineen unterrichtet, hält das Programm für notwendig. Etwa 96 Prozent der Schüler an Islamschulen seien Analphabeten, weil sie keine formellen Bildungseinrichtungen besuchten. "Religionsschulen sind sehr gut, weil sie den wahren Gehalt des Islams vermitteln. Sie müssen aber auch moderne Fächer unterrichten", sagte der 25-Jährige, der nach dem Besuch einer staatlichen Schule islamisches Recht studiert hat.

Lehrer größtenteils ohne staatliche Ausbildung

Laut einem Bericht der Schulbehörde in Khyber Pakhtunkhwa, einer der vier Provinzen Pakistans, haben sich nur ein Viertel aller Religionsschulen offiziell registrieren lassen. Die meisten der rund 4.000 männlichen und 900 weiblichen Lehrkräfte hätten keinen staatlichen Abschluss erworben.

Die Religionsschulen in Khyber Pakhtunkwha und der Stammesgebiete unter Bundesverwaltung (FATA) gerieten ins Zwielicht, nachdem die USA ihnen die Ausbildung von Extremisten vorgeworfen hatten. Gemeinsam mit der pakistanischen Armee griffen US-Truppen mehrere dieser Schulen in Pakistan und Afghanistan an.

Die Taliban kämen aus dem Islamschulen, sagte Jawad Khan, der Politikwissenschaften an einer staatlichen Universität in Peschawar lehrt. "Mitte der neunziger Jahre fielen Taliban, die Schulen in Pakistan und Afghanistan besucht hatten, in Kabul ein. Binnen weniger Wochen kontrollierten sie 95 Prozent des afghanischen Staatsgebiets", berichtete er. Zu jener Zeit hätten die USA und ihr treuer Verbündeter Pakistan die Taliban-Regierung in Kabul unterstützt, um ein Gegenwicht zu den im Iran herrschenden Schiiten zu schaffen.

Dem Bericht zufolge besuchten im vergangenen Jahr schätzungsweise zwei Millionen Menschen die rund 10.000 Islamschulen in Pakistan, die unterschiedlichen Glaubensausauslegungen folgen. 1947 seien es erst 201 Schüler gewesen. In FATA seien dort derzeit etwa 5.000 Schüler angemeldet, von denen 15 Prozent Afghanen seien. Rund 85 Prozent dieser Schulen nehmen Angehörige sunnitischer Gruppen auf, während die übrigen Schiiten offenstehen.

Laut Bildungsminister Babak stammen 99 Prozent der Schüler aus armen Familien, die die Kosten für staatliche Schulen nicht tragen können. Der Besuch der Islamschulen sei hingegen gratis, sagte der erklärte Taliban-Gegner.

Schulleiter streiten Verbindungen zu Extremisten ab

Mit dem Programm zur Modernisierung der Bildung reagiert Pakistan auch auf den massiven Druck der USA, die nach eigenen Angaben dem Terrorismus dort den Boden entziehen wollen. Die Leiter der Islamschulen streiten indes ab, islamistische Kämpfer hervorzubringen. "Bei uns lernen mehr als 4.500 Schüler", erklärte Maulana Samiul Haq, der Direktor der größten Religionsschule Darul Uloom Haqqania. "Sie alle sind friedliebend und unpolitisch."

Nach Angaben von Babak sieht das staatliche Programm vor, dass weiterhin die Rezitation von Koranversen, die korrekte Aussprache der Texte sowie deren Interpretation und islamisches Recht gelehrt würden. Hinzu kommen arabische Literatur, Urdu, Englisch, Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik.

 

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