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Der versteckte Horror: Vergewaltigungen von Männern im Kongo

 Street News Service Montag, 7. November 2011

Es gibt Männer die aufgrund jüngster Ereignisse schwer traumatisiert sind und dabei ihre ganze Würde und ihr Selbstbewusstsein verloren haben. In einem Behandlungszentrum in Uganda sprechen diese Männer offen über die Verbrechen, denen sie zum Opfer fielen. (835 Wörter) - Von Moses Seruwagi

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SNS_Unreported horrors male rape in the Democratic Republic of Congo Victim John

John ist eines der männlichen Opfer von Vergewaltigung in der Demokratischen Republik Kongo, der mutig genug war, um über seine entsetzlichen Erfahrungen zu sprechen.Photo: Moses Seruwagi

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Pierre ist wegen seiner traumatischen Erlebnisse in therapeutischer Behandlung.Photo: Moses Seruwagi


"Zuvor dachte ich immer, dass nur Frauen vergewaltigt werden, aber nicht Männer. Ich erkenne mich heute nicht mehr wieder. Ständig verspüre ich Schmerzen in meinem Anus und in meiner Blase. Ich habe das Gefühl, dass meine Blase ständig voller Wasser ist. Ich fühle mich nicht mehr wie ein Mann. Ich weiß nicht, ob ich jemals Kinder bekommen werde," erzählt John, ein 27-jähriger Flüchtling aus der Demokratischen Republik Kongo. Er ist nur einer von möglicherweise tausend männlichen Vergewaltigungsopfern der fortwährenden Zivilkriege und Stammeskonflikten in ganz Afrika.

Am 14 Januar 2009 überfielen Rebellentruppen des damaligen abtrünnigen kongolesischen Generals Lauren Nkunda das Dorf Jomba, das sich in der nord-kongolesischen Provinz Kivu befindet. Die Miliz entführte zehn Menschen, darunter sechs Jungen, zwang diese zu Plünderungen und verschleppte sie dann in ihre Dschungelbasis imVirunga Nationalpark. Auch John gehörte zu den Entführten.

"Neun Tage lang wurden wir festgehalten. Der Anführer der Gruppe forderte mich auf, Sex mit ihm zu haben. Ich verstand nicht, was er damit meinte. Er befahl, dass ich festgebunden werde, sodass er mich vergewaltigen konnte. Weitere neun Männer folgten seinem Beispiel bis ich in Ohnmacht fiel. Mein Gesäß war voller Blut. Jeder der neun Tage im Bush verliefen nach dem gleichen Muster. Für alle anderen Entführten war es genauso. Einer der Jungen überlebte nicht," erklärt John.

Diese Tortur ist nun fast zwei Jahre her und John ist einer von zahlreichen männlichen und weiblichen Vergewaltigungsopfern, die in einer Trauma-Beratungsstelle, Refugee Law Project (RLP),  in der ugandischen Hauptstadt Kampala behandelt werden. Die Opfer kommen aus verschiedenen konfliktreichen afrikanischen Ländern, darunter die Demokratischen Republik Kongo, der Sudan, Somalia, Äthiopien, Eritrea und Burundi.

Das RLP wurde vor zehn Jahren gegründet und ist eine Initiative der Fakultät der Makerere-Universität für Rechtswissenschaften in der ugandischen Hauptstadt, die Vergewaltigungsopfern dabei hilft, sich von ihren seelischen und körperlichen Verletzungen zu erholen. Das Projekt, das sich in einem Fakultätsgebäude im Kolonialstil auf einem Hügel im nördlichen Teil der Stadt - Old Kampala - befindet, ist einzigartig obwohl es in der ugandischen Gesellschaft weitgehend unbekannt ist.

Die Genderbeauftragte des RLP, Salome Atim, ist dafür zuständig, männlichen Vergewaltigungsopfern zur Seite zu stehen. Sie sagt, dass es seit Jahresbeginn rund 30 Fälle vergewaltigter Männer zu verzeichnen gibt. Die meisten dieser Männer sind Flüchtlinge aus Konfliktgebieten. "Dies sind die Wenigen, die offen über das Geschehene sprechen. Die andren schweigen. Die Wahrscheinlichkeit ist, dass es sehr viele (Opfer) gibt, " sagte Salome Atim.

Viele Männer haben Angst über das Erfahrene zu sprechen, da sie oftmals als Homosexuelle abgestempelt werden, und das sogar von Ärzten und medizinischem Personal, die versuchen ihnen zu helfen. Vergewaltigungsopfer in muslimischen Staaten, wie zum Beispiel Somalia, weigern sich ihre Erfahrungen offenzulegen, da es passieren kann, dass die Gesellschaft sie anschließend als Kriminelle ansieht. Salome Atim fügt hinzu, dass Homosexualität, die in vielen afrikanischen Ländern ein Tabuthema ist, das ganze Dilemma noch um einiges komplizierter macht. Einige Opfer zeigten sich aber nach vielen Beratungsgesprächen eher dazu bereit, über ihre Erfahrungen zu sprechen. "Leute sind mit dem Thema der Homosexualität nicht vertraut und hören diesen Menschen daher nicht zu. Die Leute nehmen an, dass Analsex immer freiwillig geschieht und dass die Opfer damit einverstanden waren. Letztere werden dann zusätzlich stigmatisiert, wenn sie ein Behandlungszentrum aufsuchen und gefragt werden, ob sie denn nicht doch schwul seien. Deshalb schweigen sie. Wir helfen ihnen, sich langsam zu öffnen" erklärt sie.

Pierre, einer von Frau Atims´ Patienten, ging in der kongolesischen Stadt Bukavu zur Schule bis seine Familie 2004 überfallen wurde. Er, sein Vater und sein Bruder wurden Opfer einer Gruppenvergewaltigung als eine der zahlreichen Milizen versuchte, das Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. "Männer in Uniform brachen in unser Haus ein. Sie fesselten meinen Vater an den Armen und Beinen. Dann zogen sie meinen Bruder aus und forderten mich auf mit ihm Sex zu haben, was ich verweigerte," erzählt Pierre bevor er in Tränen ausbricht.

Nachdem sich Pierre mithilfe von Frau Atim wieder fängt, fährt er fort. "Sie zogen mich aus, hielten meinen Penis zwischen zwei Stöckern und schlugen immer wieder darauf ein. Einer von ihnen hielt mein eines Bein, ein zweiter das andere. Der Rest der Gruppe vergewaltigte mich dann; einer nach dem anderen."

Nach Angaben von Frau Atim war Pierre suizidgefährdet als er bei RLP eintraf. Er war seitdem auch schon in einer psychotherapeutischen Klinik.

Die Vergewaltigung von Männern ist eine weitverbreitete Kriegswaffe in vielen Konfliktzonen und auch in vielen Gefängnissen. Aber diese Verbrechen werden meist nicht berichtet, da der Schwerpunkt bei diesem Thema auf weiblichen Opfern liegt und die Häufigkeit des Problems unbekannt ist. Es ist aber bekannt, dass sich viele Männer bei der Verarbeitung des Geschehens mit schrecklichen Problemen konfrontiert sehen.

John, der sein Gesicht während des Interviews mit einer Kappe verdeckt, berichtet, wie schwer es ihm wegen seiner unverheilten Wunden fällt selbst kurze Distanzen zu laufen. "Wenn ich eine lange Strecke zurücklege, läuft mir Blut aus dem Anus. Wenn ich hartes Essen, wie zum Beispiel Kassava, zu mir nehme, habe ich Probleme, wenn ich auf die Toilette gehe, da mein Rektum beim Stuhlgang mit herauskommt."

Die Namen der Befragten wurden auf ihre Bitte hin geändert.

Übersetzt von Maren Johnston

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