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Illegale ausländische Arbeiter um Lohn betrogen – Proteste in Bagdad

 IPS Montag, 7. November 2011

Ukrainische und bulgarische Arbeiter, die von Menschenhändlern in den Irak gelockt wurden, protestieren in Bagdad gegen die Ausbeutung durch skrupellose Bauunternehmer. Sie campieren in der so genannten Grünen Zone, um die Zahlung ausstehender Löhne zu erzwingen. In dem Gebiet im Zentrum der Hauptstadt befinden sich vor allem Regierungsgebäude, ausländische Botschaften und Büros internationaler Nichtregierungsorganisationen. (775 Wörter) - Von Rebecca Murray

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IPS_Trafficked to Baghdad’s Green Zone

Proteste in Bagdad Ukrainische und bulgarischer Arbeiter wurden in den Irak geschmuggelt. Photo: Rebecca Murray/IPS

Etwa 200 ausländische Arbeitskräfte waren Anfang des Jahres beim Bau von Luxusvillen eingesetzt worden. Die Arbeiten wurden jedoch im April wegen der Unruhen im Nahen Osten gestoppt. 35 Arbeiter ohne Arbeitspapiere sind in Bagdad geblieben und fordern nun ihre ausstehenden Löhne. Mitten im heißen irakischen Sommer harren die verzweifelten Menschen in einer behelfsmäßigen Halle aus, ohne genug zu trinken und zu essen zu haben.

Bereits vor Wochen haben sie handgeschriebene Plakate mit Hilferufen an einem Zaun der Baustelle befestigt. "Bitte helft uns, wir sind in Schwierigkeiten", ist darauf zu lesen, oder "SOS ukrainische Arbeiter". Doch die türkische 'Salar-Gruppe', die den Bau der Villen leitet, und die Luxusherberge 'Baghdad Hotel' ließen die Protestschilder entfernen. Man habe den Arbeitern aus "humanitären Gründen" Lebensmittel bereitgestellt, hieß es.

Falsche Versprechungen

Der Ukrainer Yuri fühlt sich betrogen. Ein kurdisches Subunternehmen von Salar, 'Noble House', habe ihm und seinen Kollegen in Bagdad Monatslöhne von jeweils umgerechnet 2.500 US-Dollar monatlich zugesagt, berichtet er. Wie er hätten sich auch viele andere Männer, die unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in der Ukraine keine Arbeit fänden, auf das Angebot eingelassen.

Im Januar brachten Busse die Männer über die Grenze in den Nordirak, wo sie von Salar-Mitarbeitern in Empfang genommen wurden. In ihre Pässe wurden Visa für zwei Wochen gestempelt. Als sie ihre Arbeitsverträge sahen, erlebten sie eine unangenehme Überraschung: Die Löhne waren niedriger als versprochen.

Wie Yuri erzählt, waren die Arbeiter in den folgenden vier Monaten täglich zwölf bis 16 Stunden auf der Baustelle im Einsatz. Geld sahen sie jedoch nicht. "Jeden Monat versprachen sie uns, dass sie uns bezahlen würden. Doch immer wieder hieß es: 'Wartet ab, wir haben jetzt kein Geld, aber morgen…'."

Vertreter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden Anfang August auf die Arbeiter aufmerksam und starteten eine Kampagne, um die Zahlung der Löhne zu veranlassen und die irakische Regierung zur Reform des Arbeitsrechts zu bewegen.

Obwohl Menschenschmuggel in der irakischen Staatsverfassung von 2005 verboten ist, gibt es bisher kein Gesetz, durch das Menschenhändler zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Seit 2008 verhandelt ein interministerieller Arbeitsstab über einen entsprechenden Gesetzentwurf, über den das Parlament abstimmen muss.

Die IOM-Vertreterin Livia Styp-Rekowska wünscht sich, dass für die 35 Arbeiter bald eine Lösung gefunden wird. "Ich hoffe, die Regierung kann die Firma dazu zwingen, die Löhne auszuzahlen."

Der für den Irak zuständige Salar-Manager Ymer Ocac beschuldigt allerdings 'Noble House' eine Vorauszahlung von mehr als einer Million Dollar veruntreut zu haben. Salar übernehme für das Vorgehen des Subunternehmens keine Verantwortung, betont er. Im Übrigen seien inzwischen die meisten Arbeiter ohne ihr Geld nach Hause zurückgekehrt.

Samer Muscati von der Menschenrechtsorganisation 'Human Rights Watch' ist jedoch nicht der Meinung, dass sich Salar so einfach aus der Affäre ziehen kann. "Wenn man Subfirmen einschaltet, bedeutet dies noch nicht, dass man die eigene Verantwortung auf andere übertragen kann", sagt er. Die irakische Regierung sollte in der Lage sein, Betrügern und Ausbeutern das Handwerk zu legen.

Die stellvertretende irakische Arbeitsministerin Dara Hassa Rashid erklärte, sie sei "schockiert" über den Fall der ukrainischen Bauarbeiter. "So etwas nennt man Menschenhandel, die Korruption ist überall", sagte sie. Gemäß dem irakischen Recht sei ein solches Vorgehen illegal, erklärte Rashid und machte die Salar-Gruppe dafür verantwortlich. Die Firma hätte sicherstellen müssen, dass der Subunternehmer für die Arbeiter im Irak Versicherungsbeiträge entrichtet.

Nach Einschätzung des Ministeriums liegt die Arbeitslosigkeit im Land zurzeit bei etwa 15 Prozent. Die Unterbeschäftigung könnte aber noch drei Mal höher sein.

In den Jahren der Gewalt und des Chaos hatte der Menschenhandel im Irak deutlich zugenommen. Billige Arbeitskräfte wurden vor allem aus Südostasien, Osteuropa und Afrika eingeschleust.

Srilankische Arbeiter drohten mit kollektivem Selbstmord

Im Juni dieses Jahres drohten 41 Arbeiter aus Sri Lanka im Süden des Irak mit Selbstmord, nachdem ihr libanesischer Arbeitgeber sie zwei Jahre lang nicht bezahlt hatte. Die irakische Regierung sorgte daraufhin dafür, dass jeder Betroffene 3.000 Dollar und ein Rückflugticket in die Heimat bekam.

Einem Menschenrechtsbericht der UN-Unterstützungsmission im Irak (UNAMI) und dem Hohen Flüchtlingskommissar (UNHCR) von 2010 zufolge tragen betrügerische Agenturen in den Herkunftsländern der Arbeiter, skrupellose Arbeitgeber im Irak, die Passivität irakischer Behörden und das Fehlen diplomatischer Vertretungen der betreffenden Länder dazu bei, "ein Umfeld zu schaffen, in dem der Missbrauch und die Ausbeutung der Arbeiter stattfinden kann".

IOM geht davon aus, dass weltweit bis zu 800.000 Menschen jährlich von Schleusern illegal über die Grenzen anderer Länder geschmuggelt werden. Der Menschenhandel innerhalb der Länder habe ein noch größeres Ausmaß angenommen.

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