print logo
  • Username:  
    Password:  

Das terrorisierte Leben eines Kindesoldaten

 Street News Service Montag, 3. Oktober 2011

Während draußen das Geratter von Gewehrschüssen laut wiederhallte, saß Mohamed Abdi in einer Ecke in einem Restaurant in Mogadischu und fragte sich laut, wie lange er wohl noch in einer der gefährlichsten Hauptstädte der Welt überleben könnte. „Mogadischu ist voller Elend, manchmal tappt man in eine Falle und wird von Regierungskräften oder Rebellen entführt, um auf ihrer Seite zu kämpfen“, sagt Abdi. (1156 Wörter) - Von Mohamad Shiil

Share

SNS_The terrorised life of a child soldier 1

A young, female soldier stands guard in Mogadishu (Portraitausschnitt. Downloaden, um die gesamte Aufnahme anzusehen).Photo: Angela Catlin/Street News Service

SNS_The terrorised life of a child soldier 2

A soldier guards the water pump in Mogadishu. The military is present everywhere in the city (Portraitausschnitt. Downloaden, um die gesamte Aufnahme anzusehen).Photo: Angela Catlin/Street News Service

SNS_The terrorised life of a child soldier 3

Soldiers rest on a make shift tank in Mogadishu.Photo: Angela Catlin/Street News Service

SNS_The terrorised life of a child soldier 4

A guard in a refugee camp in Mogadishu (Portraitausschnitt. Downloaden, um die gesamte Aufnahme anzusehen).Photo: Angela Catlin/Street News Service

SNS_The terrorised life of a child soldier 5

A guard watches the water supply in the camp.Photo: Angela Catlin/Street News Service


Der Vater des 15-Jährigen ist vor zwei Jahren verstorben und seitdem war und ist es ein täglicher Kampf, seine Mutter und seine beiden Brüder, die alle in einem nahegelegenen Flüchtlingslager leben, zu unterstützen. Im Gegensatz zu tausenden Landsmännern, die durch Kämpfe zwischen Regierungskräften und Al-Shabaab, einer militanten, islamistischen Gruppe mit Verbindungen zu Al Qaeda, verdrängt wurden, hatte Abdi das Glück, Arbeit als Kellner zu finden, aber vor noch nicht allzu langer Zeit hat der Jugendliche im Häuserkampf mitgewirkt.

Während der Bürgerkrieg in Somalia unvermindert andauert, wächst die Sorge um Kindersoldaten. In einem Bericht letzten Monat hat Amnesty International (AI) Fälle von Kindersoldaten geschildert, die zu Kämpfen im Krieg gezwungen wurden - die jüngsten unter ihnen waren neun Jahre alt. Der Bericht 'In der Schusslinie: Somalias Kinder unter Attacke' beschreibt die vollen Auswirkungen des anhaltenden Konflikts auf die Kinder und erklärte, dass Somalias Übergangsregierung und Al-Shabaab gleichermaßen sich schweren Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht hätten.

"Somalia steckt nicht nur in einer humanitären Krise: es ist eine Kriese der Menschenrechte und der Kinder", sagte Michelle Kagari, Amnesty Internationals stellvertretende Direktorin für Afrika. "Als Kindersoldat in Somalia ist der Tod ein allgegenwärtiges Risiko: man wird ermordet, rekrutiert und an die Front geschickt, von Al-Shabaab bestraft weil man dabei erwischt wurde, die falsche Musik zu hören oder die 'falschen Kleider zu tragen', man ist gezwungen für sich selbst zu sorgen weil man beide Eltern verloren hat oder man stirbt, weil man keinen Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung hat."

Abdi verlässt nur sehr selten seinen Arbeitsplatz oder wagt sich raus auf Mogadischus Straßen, hauptsächlich aus Angst, er könnte erneut von seinen früheren Kidnappern entführt werden. Nicht allzu lange nachdem sein Vater 2009 verstorben war, wurde er von Al-Shabaab verschleppt. Anfangs wurde er der Spitzelarbeit für die Regierung beschuldigt und dann von Mogadischu zu einem Ausbildungszentrum in Marka, etwa 60 Meilen von der Hauptstadt entfernt, gebracht. Nach dem Militärtraining wurde er zurück nach Mogadischu gebracht.

"Kinder übernehmen Aufgaben wie Spitzelarbeit für die Rebellen oder die Regierung, je nachdem auf welcher Seite sie arbeiten, und sie setzen Sprengstoffe zusammen. Ich habe in der Industrial Street in Mogadischu gekämpft. An der Front schob ich eines Nachts bei unserem Basislager in Shirkole Wache. Es war dunkel und meine beiden Kollegen im Dienst sind eingeschlafen, so konnte ich entkommen", erklärt Abdi, dessen Familie vor vier Jahren von den Bay und Bakol Regionen im Süden Somalias nach Mogadischu gezogen war.

Der Teenager wäscht jetzt Teller und verdient dabei 60.000 Somalische Schilling, was zwei US$ pro Tag entspricht. Er schätzt seine extrem glückliche Lage, da Berichte aus den niederen Shabelle, Hiram, mittleren Shabelle und den niederen Jubba Regionen - alle Hochburgen von Al-Shabaab -  besagen, dass die erzwungene Rekrutierung von Kindersoldaten dort drastisch zugenommen hat nachdem die Rebellen sich diesen Monat aus der Hauptstadt zurück gezogen hatten, um Hilfsorganisationen in die umnachtete Stadt zu lassen.

"Kinder wurden mit Gewalt aus ihren Häusern gezerrt um sie zu rekrutieren, obwohl einige von ihnen noch nicht mal fähig waren, ein Gewehr zu halten", sagte Ali Mohamed, ein Vater in der Hafenstadt Kismayo, dessen Sohn vermisst wird und wahrscheinlich von Al-Shabaab verschleppt wurde.

Die Folgen des Krieges sind nichts weniger als katastrophal und Ali sagte, Kindern werde auch der Zugang zu Bildung verwehrt, und dass viele bei rücksichtlosen Attacken in dicht besiedelten Gebieten verletzt oder getötet wurden. Die Bildung leidet, da Schulgebäude zerstört oder bei Kämpfen in städtischen Gebieten beschädigt wurden. In Mogadischu wurden viele Schulen geschlossen, da Schüler und Lehrer Angst hatten, auf ihrem Weg zur Schule verletzt oder getötet zu werden.

"Während den 21 Jahren der in 1991 verdrängten Militärherrschaft war Bildung kostenlos und Waisenhäuser gab es überall im Land; den Kindern wurde besondere Achtsamkeit geschenkt", berichtet Abdisalam Hared, ein Lehrer an einer weiterführenden Schule in Mogadischu.

Wie viele seiner Kollegen ist Hared zunehmend besorgt über den Einfluss, den radikale Islamisten auf die Kinder haben. Er erzählt wie einige seiner Schüler ihm gesagt hätten, er solle sich wie ein Muslim kleiden und keine Jeans tragen. Mohamed Abdirahman, ein weiterer Oberstufenlehrer, sagte, ein paar seiner Schüler seien in die Kämpfe involviert und hätten Verbindungen zu den Rebellen, während andere ihm mitteilten, ihre Amire (Gruppenleiter) riefen sie dazu auf, sich den Kämpfenden anzuschließen. "Wir ließen sie gehen. Einige von ihnen kamen nicht zurück und wurden Berichten zufolge an der Front getötet", fügt Abdirahman hinzu.

Viele arglose Jugendliche sind in den Kämpfen getötet worden, einschließlich drei Freunde von Adbifatah Hassan, einem Oberstufenschüler in Mogadischu. Sie wurden in einem Mörserangriff getötet, in dem auch zwei andere verwundet wurden. Er erzählte: "Manchmal waren wir für Monate nicht in der Schule. Wenn die Kämpfe in der Hauptstadt sich verschärfen und die Bewohner in die Wohngebiete fliehen, gehen die Schüler mit ihren Eltern und die Schulen sind fast leer."

In den von Islamisten kontrollierten Gebieten in Mogadischu hat Al-Shabaab strikte Regeln eingeführt und angeordnet, dass Schüler sich für den Kampf gegen die Regierung einschreiben sollen. Die Rebellen haben nicht-arabische Schilder an Läden verboten und Unternehmen in dem Elasha-Außenbezirk der Hauptstadt dazu aufgerufen, englische und somalische Poster zu entfernen und mit arabischen Plakaten zu ersetzen.

"Sogar Kinder unter 13 Jahre wurden angeworben; wir konnten das nicht aufhalten und die Eltern beschuldigen dann oft uns", beichtete Ali Mohamed Herzi, Rektor einer Mittelschule in der Elasha-Siedlung, die von Al-Shabaab kontrolliert wird.

Al-Shabaab soll Mogadischu angeblich verlassen haben, aber anhängige Kämpfer verüben immer noch Anschläge von ihren städtischen Hochburgen aus und ihre Strategie basiert auf der für Häuserkämpfe ausgelegten, afghanischen Hit & Run-Taktik. "Wir sind in der Hauptstadt präsent und unsere Kämpfer hier sind bereit die zweite Phase unseres Krieges gegen die Ungläubigen und ihre Kollaborateure einzuleiten", sagte Shaekh Ali Mohamoud, ein Sprecher für Al-Shabaab. In den nördlichen Teilen der Stadt, Deynile, Huriwaa und Suukha Hoolaha eingeschlossen, in denen die Regierung nicht ganz aufmarschiert ist, verüben Verbliebene von Al-Shabaab und Sympathisanten regelmäßig Anschläge, um ihre Präsenz zu demonstrieren. In den letzten zwei Wochen wurden mehr als zehn Menschen, einschließlich einer Frau und drei Kindern zwischen 13 und 15 Jahren, in den Huriwaa, Suukha Hoolaha und Huriwa Distrikten wegen angeblicher Spionage für die Regierung geköpft, erzählte Omer Ja'fan Abdulle, Komissar in Huriwaa.

Anderswo ist das Leben ebenso grässlich für die Hunderten von verwaisten, notleidenden Kinder und UNICEF gibt an, dass mindestens 2000 Kinder versuchen auf den Straßen von Mogadischu zu überleben. "Wir sind uns den Schwierigkeiten und dem Elend dieser Kinder bewusst" erklärt Shepherd-Johnson, Sprecher für UNICEF in Somalia. Abgesehen von den Kämpfen leidet Somalia unter der schlimmsten Dürre und Hungersnot seit 60 Jahren und fast zwei Millionen Kinder unter 5 Jahren bedürften momentan humanitäre Hilfe am Horn von Afrika, fügte UNICEF hinzu.

Übersetzt von Julia Schneider

 andere Fremdsprachen-Versionen

kürzlich hinzugefügt

SNS logo
  • Website Design