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Behinderte gesellschaftlich stigmatisiert

 IPS Montag, 24. Oktober 2011

Emmanuel Joseph und George Amoah sind körperbehindert. Ansonsten haben die beiden Männer aus Ghana nicht viel gemeinsam. Während Joseph tagsüber im Zentrum der Hauptstadt Accra, ausgestreckt auf einem Stück Pappe, die Passanten um eine kleine Spende anbettelt, kann der Rollstuhlfahrer Amoah als Angestellter in einer internationalen Bank sein Geld verdienen. (587 Wörter) - Von Paul Carlucci und Jamila Akweley Okertchiri

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IPS_Behinderte gesellschaftlich stigmatisiert Gesetz bisher nicht umgesetzt

Der gelähmte Emmanuel Joseph beim Betteln im Zentrum von Accra. Bild: Paul Carlucci/IPS

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leben in dem westafrikanischen Staat mit rund 24 Millionen Einwohnern etwa zwei Millionen Behinderte. Seit fünf Jahren ist zwar ein Gesetz zu ihrem Schutz in Kraft. Die Lebensbedingungen dieser Menschen haben sich dadurch allerdings nicht wesentlich verbessert.

Auf dem Papier werden ihnen immerhin attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten, freie Bildung, barrierefreie Wohnungen und Verkehrsmittel sowie die gesellschaftliche Anerkennung zugesichert. Im täglichen Leben läuft jedoch vieles anders.

"Manchmal werde ich beschimpft oder sogar verprügelt", klagt Joseph, der von der Hüfte abwärts gelähmt ist, seitdem ihm ein falsches Medikament gespritzt wurde. Der Mann lebt mit seinem Bruder zusammen und bettelt jeden Tag in der Innenstadt. Dort wimmelt es nur so vor Leidensgenossen, die sich teils mühsam an behelfsmäßigen Krücken fortbewegen.

Gesellschaft akzeptiert Behinderte nicht

"Wenn man körperbehindert ist, landet man in diesem Land gleich in einer bestimmten Schublade", meint Amoah. Er selbst hatte noch Glück im Unglück, weil er studieren konnte. Auf einer Jobbörse der nichtstaatlichen Hilfsorganisation 'Sight Savers' knüpfte er im vergangenen Jahr den Kontakt zu der großen Bank, die ihn dann einstellte.

Der junge Mann leidet seit seiner Kindheit an der Lähmung und konnte fünf Jahre nicht zur Schule gehen. Er betrachtet es als persönlichen Sieg, in einem Land weitergekommen zu sein, in dem Behinderte weitgehend sozial ausgegrenzt werden. Andere Freunde mit ähnlichen Einschränkungen hätten es nicht so gut angetroffen, sagt er.

"Behinderte sind in der Regel von ihren Familien abhängig. Einige verrichten einfache Arbeiten, die anderen müssen betteln", berichtet Amoah. "Um zu überleben, müssen die meisten von uns Jobs annehmen, die eigentlich unter unserem Niveau liegen."

Das Gesetz zum Schutz von Behinderten ist bisher in keinem Punkt vollständig umgesetzt worden. Ein weiteres Rechtsmittel, das konkrete Regelungen für Arbeit, Bildung und Wohnen vorsieht, ist irgendwo zwischen dem Sozialministerium und der Generalstaatsanwaltschaft stecken geblieben.

Die Ghanaische Vereinigung der Behinderten (GFD) versucht ihre Kontakte zur Regierung zu nutzen, um Verbesserungen herbeizuführen. "Wenn wir uns nicht darum kümmern, wird die neue Bestimmung schließlich voller Lücken in Kraft treten", meint der Anwalt Isaac Tuggon, der für GFD arbeitet. Eigentlich seien die Regelungen seit langem fällig.

Dem vor fünf Jahren in Kraft getretenen Gesetz zufolge soll spätestens 2016 in allen Gebäuden Barrierefreiheit garantiert werden. Doch bisher liegt das Ziel in weiter Ferne. Viele alte Gebäude haben steile Treppen und keine Aufzüge, in den neuen fehlen oft die Zufahrtsrampen für Rollstuhlfahrer.

Wie Tuggon kritisiert, ist zu wenig unternommen worden, um die Gebäude behindertengerecht zu machen. Im Zentrum von Accra, wo sich viele Regierungsgebäude befinden, haben Rollstuhlfahrer nur zum Sozialministerium erleichterten Zugang über eine Rampe. "Wenn ich überall hinkomme, bin ich nicht mehr behindert", meint Amoah. Oft sei nur die Umgebung dafür verantwortlich, dass man sein Handicap spüre.

Geld fließt nur spärlich

Auch der in dem Gesetz vorgesehene Nationalrat für Menschen mit Behinderungen ist noch nicht funktionsfähig. Seine Mitglieder seien zwar ernannt, doch es gebe keine ausreichenden finanziellen Mittel, sagte der Exekutivsekretär Max Vardon.

Auf Druck von Hilfsorganisationen war 2005 durchgesetzt worden, dass zwei Prozent des städtischen Dezentralisierungsfonds den Behinderten zugute kommen sollten. Doch die Mittel flossen nur spärlich, weil die notwendigen Regelungen fehlten. Vardon sieht das Problem vor allem darin, dass die Gesellschaft sich nicht für Behinderte interessiert. Erst allmählich entstünden Strukturen, die eine bessere Unterstützung von Menschen mit Behinderungen ermöglichen könnten.

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