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Bürgerkriegs- flüchtlinge schwören auf Sonnenenergie

 IPS Montag, 31. Oktober 2011

Ein Vierteljahrhundert Bürgerkrieg im Norden Sri Lankas hat die Bevölkerung vor allem eines gelehrt: aus den wenigen verfügbaren Ressourcen das Beste zu machen. Das gilt besonders für das Gebiet, in dem der bewaffnete Konflikt sein blutiges Ende fand. Hier im Vanni profitieren die Menschen von der Kraft der reichlich vorhandenen Sonne und stehen sogar im Ruf, wahre Solarenergieexperten zu sein. (737 Wörter) - Von Amantha Perera

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IPS_Bürgerkriegsflüchtlinge schwören auf Sonnenenergie

Hoher Wiederaufbaubedarf nach dem Bürgerkrieg. Credit: Amantha Perera/IPS

"Sie wissen ganz genau, wie sie die Solarzellen positionieren müssen, um möglichst viel Energie erzeugen zu können", berichtet Hearth Dissanayake, der Direktor von 'Wisdom Solar', einem srilankischen Unternehmen, das Solaranlagen vertreibt. "Mit dem Wissen, was sich die Menschen in der Region über die vielen Kriegsjahre hinweg angeeignet haben, sind sie unschlagbar."

Gut 30 Monate nach dem Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen ist Strom aus der Steckdose trotz der rasant voranschreitenden Infrastrukturmaßnahmen ein seltener Luxus. Doch die meisten heimgekehrten Kriegsflüchtlinge wissen sich zu helfen. Wer kann, investiert in Solarzellen, um sich mit einem Minimum an Elektrizität zu versorgen.

Die Stromversorgungsrate in den beiden Distrikten Killinochchi und Mullaittivu, den Hauptschauplätzen des Bürgerkriegs, ist mit vier beziehungsweise einem Prozent verschwindend gering. Der landesweite Durchschnittswert liegt bei 84 Prozent.

Reguläre Stromversorgung zusammengebrochen

Das lokale Stromnetz wurde im Verlauf des Konflikts zwischen der Regierung und der tamilischen Separatistenbewegung LTTE völlig zerstört. Versuche, die Feuerpause zwischen den Konfliktparteien in den Jahren 2002 und 2006 zu nutzen, um die Energieversorgung wieder herzustellen, scheiterten.

Die LTTE, die bis zu ihrer Niederlage 2009 den Vanni kontrollierte, nutzte zur Stromgewinnung vor allem kleine Generatoren, wie sie auch Hilfsorganisationen in dem mehrheitlich von Tamilen bewohnten Gebiet verwendeten.

Der Bezirksleiterin von Killinochchi, Rupavathi Ketheeswaran, zufolge werden die beiden vergleichsweise gut entwickelten Städte Killinochchi und Mankulam mit Strom aus den Nachbardistrikten Vavuniya und Jaffna versorgt. Anfang nächsten Jahres sollen sie endgültig ans Stromnetz angeschlossen sein.

Doch für die Bewohner des Distrikts Mullaittivu ist der Zugang zur regulären Stromversorgung noch Zukunftsmusik. Bis heute leiden die Menschen hier unter der kriegsbedingten Zerstörung. Hier und auch in Killinochchi hat sich Solarkraft als alternativer Energieträger etabliert.

Wie Dissanayake berichtet, konnte die lokale Niederlassung seiner Firma seit Anfang 2010, als die ersten Kriegsflüchtlinge in ihre Heimat zurückkehrten, 300 bis 500 Solaranlagen pro Monat verkaufen. Dabei kostet schon die einfache Grundausstattung, die für drei Lichtquellen ausreichend ist, 300 US-Dollar.

Die hohe Nachfrage begründet Dissanayake mit dem Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit in den Abendstunden. "In dem Gebiet gibt es jede Menge Schlangen und Minen", berichtet er. Das Geld für die Solaranlagen konnten die Menschen dank eines Darlehens in Höhe von 220 Dollar aufbringen, das man ihnen für den Bau provisorischer Unterkünfte bereitgestellt hatte.

Doch da die Beihilfe ausläuft und neue Einkünfte nicht in Sicht sind, nimmt auch die Nachfrage nach den Solarpanelen ab. Wisdom Solar verkauft derzeit nur noch zwischen 100 und 150 Anlagen pro Monat. Doch Dissanayake ist überzeugt, dass die Menschen sofort wieder in Sonnenenergie investieren würden, kämen sie in den Genuss weiterer staatlicher Zuschüsse.

Auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) investiert in Sonnenenergie. So hat es an mehreren Orten in Vadamarachchi für die Heimkehrer solarbetriebene Straßenlaternen aufgestellt. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass viele Probleme der Menschen damit zu tun haben, dass sie kein Licht haben", berichtet der Vertreter des UNHCR-Büros für Sri Lanka, Michael Zwack. "Frauen haben Angst, im Dunkeln die sanitären Anlagen aufzusuchen, und die Kinder können abends nicht lernen. Wir hoffen, dass die Solarlampen dazu beitragen können, Abhilfe zu schaffen."

Solarkraft für den Übergang

Das UNHCR will auch weiterhin Solarlampen finanzieren. Profitieren sollen insbesondere die Dörfer im Innern des Vanni, die in naher Zukunft nicht mit einem Anschluss ans reguläre Stromnetz rechnen können. Viele Rückkehrer scheuen sich zudem, einen Stromanschluss zu beantragen, weil sie nicht wissen, wo sie am Ende bleiben werden und wann man ihnen eine endgültige Bleibe anbieten wird.

Der 60-jährige Kandan Namanadasan aus dem Dorf Allankulam in Mullaittivu könnte zwar die erforderlichen 150 Dollar für einen Stromanschluss aufbringen. Doch solange er nicht weiß, wann und wo er sich ein eigenes Haus bauen kann, ist er dazu nicht bereit. "Ich warte lieber ab", meint der Straßenverkäufer, der derzeit über den Kauf eines Generators nachdenkt. Er will sich einen Kühlschrank anschaffen und weiß nicht, ob seine Solarzellen genügend Strom produzieren.

Sein Nachbar nutzt seine kleine Solaranlage nicht nur zur Herstellung von Strom. Er hatte seine Solarzellen an eine elektrische Pumpe angeschlossen. Das auf diese Weise zutage geförderte Brunnenwasser reicht aus, um sein Feld zu bewässern.

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