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In den Böden liegt die Lösung – Interview mit UNCCD-Exekutivsekretär

 IPS Montag, 31. Oktober 2011

Im Kampf gegen den Klimawandel sind Trockengebiete als CO2-Senken von unschätzbarem Wert. Dennoch schreitet die Verödung der Böden immer weiter voran, wie Luc Gnacadja, Exekutivsekretär der UN-Konvention gegen Wüstenbildung (UNCCD) kritisiert. Um diese lebensbedrohliche Entwicklung aufzuhalten, fordert er eine breite Allianz unterschiedlicher Akteure, die das Ziel der Nachhaltigkeit im Auge behält und sich das Wissen der Menschen in den Trockengebieten zunutze macht. (590 Wörter) - Von Manipadma Jena

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IPS_In den Böden liegt die Lösung – Interview mit UNCCD-Exekutivsekretär Gnacadja

UNCCD-Exekutivsekretär Luc Gnacadja. Credit: Manipadma Jena/IPS

"Die Böden sind die Antwort auf das Problem der globalen Erwärmung", sagte der UNCCD-Chef im IPS-Interview am Rande zehnten Vertragsstaatenkonferenz (COP10) der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD ) "Sie sind neben den Meeren die größten CO2-Senken. Doch während die in den Ozeanen gebundenen Treibhausgase die maritimen Ökosysteme übersäuern, trägt das von den Böden aufgenommene CO2 positiv zur Nahrungssicherheit und zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Warum bringen wir es nicht fertig, dies anzuerkennen?"

Der in Benin geborene Architekt war in dem afrikanischen Land zwischen 1999 und 2005 Minister für Umwelt, Wohnungsbau und städtische Entwicklung. 2002 erhielt er den von der Weltbank ausgelobten 'Green Award'. Im Interview mit IPS sprach er sich für eine größere Beteiligung des Privatsektors - von Kleinbauern bis zu großen Konzernen - an Maßnahmen zur nachhaltigen Landbewirtschaftung aus.

Landverödung gefährdet Ernährungssicherheit

Wie Gnacadja am Rande der COP 10 kritisierte, haben die Wirtschaftskrisen 2007/2008 und 2010/2011 gezeigt, dass "wir so weitermachen wie bisher". So würden die Böden 25 Mal schneller erodiert als noch vor einigen Jahren, erläuterte er. Und Jahr für Jahr gehen rund zwölf Millionen Hektar Land durch Dürre und Wüstenbildung verloren. Diese Fläche entspricht der Größe Benins. "Setzt sich der Trend fort, wird es unmöglich sein, die neun Milliarden Menschen zu ernähren, die bis 2050 die Erde bevölkern."

Gnacadja fordert mehr privates Engagement bei der nachhaltigen Landentwicklung. Die Staaten rief er dazu auf, die Rahmenbedingungen für private Investitionen in diesen Bereich zu schaffen und die Aktivitäten der Konzerne in die richtige Richtung zu lenken.

Auf der COP 10-Konferenz hatte sich erstmals ein Forum mit Vertretern von 90 Firmen dem Kampf des UNCCD gegen die fortschreitende Bodendegradation angeschlossen. Der Dialog zwischen diesen Unternehmen und Regierungen müsse unbedingt fortgesetzt werden, meinte Gnacadja. An den Privatsektor richtete der UNCCD-Chef die Forderung, nach dem Win-Win-Prinzip zu verfahren. So müssten die Investitionen sowohl der Bevölkerung als auch Ökosystemen und Energiesicherheit zugute kommen. "Das ist möglich."

Positiv äußerte sich Gnacadja zur Changwon-Initiative der südkoreanischen Regierung. Sie zielt darauf ab, neue Partner und Akteure zu gewinnen, die dazu beitragen sollen, dass die Potenziale der UNCCD im Sinne der nachhaltigen Entwicklung voll ausgeschöpft werden. Zum einen werde die Changwon-Initiative dabei helfen, den Beitrag der Wissenschaft zum politischen Handeln durch eine globale Datenbank über Wüstenbildung und Bodendegradation zu stärken, meinte Gnacadja. Zum anderen werde der Aktionsradius aller Projektteilnehmer genau festgelegt und die Privatwirtschaft mit eingebunden.

Dem UNCCD-Chef zufolge ist die südkoreanische Regierung an Vorschlägen der Zivilgesellschaft interessiert. Gnacadja appellierte deshalb an die internationalen Nichtregierungsorganisationen, proaktiv zu handeln. "Manchmal sind die Organisationen schnell mit Kritik zur Hand. Doch auch sie müssen Ergebnisse liefern", meinte der Beniner. "Sie wissen, dass sie einflussreich sind, aber auch Einfluss erfordert Handeln."

Gnacadja unterstrich im Interview mit IPS, dass die Landverödung Frauen und Kinder besonders hart treffe. Dabei seien es gerade die Frauen, die traditionelle Anbaumethoden am Leben erhielten. "Die Staaten müssen dafür sorgen, dass sie Zugang zu Land haben und genügend Unterstützung bekommen, um einen produktiven Anbau zu betreiben." Außerdem wird es nach Ansicht des UNCCD-Chefs Zeit, "die Kenntnisse, das Wissen und die Erfolge der Menschen in den Trockengebieten anzuerkennen".

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