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Wie eine kleine Familie

 Fiftyfifty - Germany Montag, 31. Oktober 2011

Leons, Nadines und Daniels Wege kreuzten sich vor sieben Jahren. Nun sind die drei zu einer richtigen kleinen Familie zusammengewachsen. Ein Leben ohne den Anderen? Für die drei unvorstellbar. (587 Wörter) - Von Valentina Meissner

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Die kleine Familie: Nadine, Leon und Daniel. Photo courtesy of Valentina Meissner/Fiftyfifty

Leon sitzt am Straßenrand. Er ist mal wieder mit Nadine und Daniel unterwegs. Jeden Tag sind die drei auf den Beinen und verkaufen Zeitungen. Sie kennen sich jetzt schon fast seit sieben Jahren.

Die winterliche Sonne scheint hell, Passanten hetzen mit prall gefüllten Einkaufstüten an den drei Freunden vorbei. Leon wird das alles zu hektisch. Müde legt er sich auf seine grüne Wolldecke. Mit seinen nun schon sechs Jahren ist der Hund nun mal auch nicht mehr der Jüngste. Schaut man Leon genau ins Gesicht, kann man sein Alter schon leicht erkennen. Seine Schnauze zieren einige weiße und graue Härchen.

Jedoch ging es dem Labrador-Mischling nicht immer so gut. Man könnte schon fast von einer schweren Kindheit sprechen. Leons alte Besitzer versorgten ihn nicht genug. Als der damals sechs Monate alte Welpe zu Nadine und Daniel kam, war er unerzogen, völlig abgemagert und verwahrlost. Nadine und ihr Freund Daniel päppelten den Kleinen wieder auf. Die Erziehung nahm größtenteils Daniel in die Hand. Er brachte Leon nicht nur die Grundkommandos wie Sitz und Platz bei, sondern auch das Männchenmachen.

"Leon ist ein sehr kluger Hund", sagt Nadine. Die 34-jährige musste nach einer Hüftoperation eine Zeit lang im Rollstuhl sitzen. Das Bällchenspielen mit Leon kam da natürlich zu kurz. Der Mischling ließ sich jedoch etwas einfallen: Nachdem Nadine den Ball warf, holte Leon ihn zurück und rollte ihn mit der Nase genau vor ihre Füße. So brauchte sie sich nur noch zu bücken und Leon musste nicht auf sein geliebtes Ballspiel verzichten. "Jetzt kann man mit ihm richtig Fußball spielen, da Leon den Ball immer mit der Nase zurückspielt", erzählt Daniel stolz.

Zudem hat Leon auch noch ein großes Herz: "Er kann keiner Fliege was zu leide tun", erklärt Nadine. Sie erinnert sich an einen Spaziergang: Leon sah damals ein Kaninchen und rannte ihm natürlich nach. Doch anstatt es zu jagen, wie man es von einem Hund gewohnt ist, stupste Leon das Hoppeltier, wenn es stoppte, um mit ihm weiter zu spielen.

"Am liebsten läuft er sowieso ohne Leine herum", weiß Nadine. Leon sei noch nie weggelaufen, er fühle sich nun mal in der kleinen Familie wohl. Wenn er ohne Leine unterwegs sei, achte er sogar auf Straßen und Ausfahrten: "Er bleibt dann immer stehen und wartet ob er rübergehen darf oder nicht", sagt Nadine.
Seit die kleine Familie zusammen gefunden hat, veränderte sich einiges für Nadine und Daniel. Vor vier Jahren begannen sie gemeinsam die fiftyfifty zu verkaufen. Sie wollten sich ihr Geld auf legale Weise verdienen. Daniel lebte vorher vom Klauen und musste dafür auch ins Gefängnis "Ich möchte das nie wieder", sagt er heute.

Hauptsächlich lebt die Familie von der Sozialhilfe, zusätzlich helfen die Einnahmen vom Zeitungsverkauf. "Das meiste Geld geben wir sowieso für Leon aus. Er steht einfach an erster Stelle." Leon bekommt wie ein Mensch drei Mahlzeiten am Tag. Und wenn er krank ist, hilft "Underdog" Reguläre Besuche beim Tierarzt könnten sich die drei nicht leisten. Auch nicht Routinebehandlungen wie Impfen und Entwurmen. Bei Underdog gibt es zudem auch manchmal Trockenfutter für Leon, dieses isst er neben Katzenfutter am liebsten. Für Nadine und Daniel ist Leon fast wie ein Kind: Der ganze Rucksack von Daniel ist voller Spielzeug für den Gefährten. Sein Ball und sein Knochen müssen einfach immer dabei sein.

Leon ist inzwischen auf der Straße eingeschlafen. Nadine deckt ihn mit einer Decke zu.

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