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Die Zukunft der mobilen Gesundheitsversorgung in Sambia

 INSP Sonntag, 22. April 2012

In einem Land, in dem die meisten Menschen Stunden vom nächstgelegenen Krankenhaus entfernt wohnen und die meisten ÄrztInnen in der Hauptstadt arbeiten, scheint eine mobile Gesundheitsversorgung eine gute Idee zu sein. Die mobilen Krankenhäuser, die die sambische Regierung vor einigen Monaten für 53 Millionen Dollar kaufte, stießen allerdings auf heftige Kritik und kommen nun kaum zum Einsatz. (1154 Wörter) - Von Jorrit Meulenbeek

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Patients queue up to be seen by volunteer doctors and nurses at a mobile clinic, operated by Doctors Outreach Care International in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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Volunteer doctors and nursing students distribute medication from a mobile clinic in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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One of the doctors examines a child outside the mobile clinic operated by Doctors Outreach Care International in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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Volunteer doctors and nursing students distribute medication from a mobile clinic in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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Doctor Brian Malao talking to a patient outside the mobile clinic operated by Doctors Outreach Care International in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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A nurse gives instructions to a patient about the medication she is about to be given from the back of a mobile clinic truck in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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Nursing students prepare medication for distribution inside a mobile clinic operated by Doctors Outreach Care International in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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A volunteer doctor takes the details of a mother and her sick child outside a mobile clinic in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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Patients queue up to be seen by volunteer doctors and nurses at a mobile clinic, operated by Doctors Outreach Care International in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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A volunteer nurse gives instructions to two young patients about the medication they are about to be given from the back of a mobile clinic truck in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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A volunteer doctor discusses the condition of a sick child with its mother, outside a mobile clinic operated by Doctors Outreach Care International in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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Nursing students prepare medication for distribution inside a mobile clinic operated by Doctors Outreach Care International in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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The mobile clinic operated by Doctors Outreach Care International in Zambia consists of a single truck, specially adapted for this purpose. It was donated by cement company Lafarge, which also provides a driver and pays for the necessary drugs.Photo: Jorrit Meulenbeek

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Volunteers packing up a mobile clinic after they have attended to patients in Ndola, Zambia.Photo: Jorrit Meulenbeek

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Mobile hospital trucks gathering dust in the parking lot at Ndola Central Hospital, Zambia, where they have been parked since August, only months after they were bought by the previous government using a 53 million Dollar loan from a Chinese bank.Photo: Jorrit Meulenbeek


Obwohl das Ärzteteam noch nicht eingetroffen ist, hat sich vor dem kleinen Bus schon eine Warteschlange gebildet. Trotz des starken Regens am frühen Nachmittag haben sich gut vierzig Frauen, Männer und Kinder auf den Weg hierher gemacht. Der Generator des Busses rumpelt, während sie die Formulare ausfüllen, ihren Puls und Blutdruck messen lassen und auf ihre ärztliche Untersuchung warten.

Wir sind in Mackenzie, einem Elendsviertel in Ndola, der früheren Bergbauhauptstadt Sambias. Und obwohl Mackenzie nur ein paar Kilometer außerhalb dieser gut entwickelten Stadt liegt, gibt es hier kein Krankenhaus. Das nächstgelegene Krankenhaus bedeutet einen langen Fußmarsch und ist schlecht ausgestattet: es gibt kein qualifiziertes medizinisches Personal außer einer Krankenschwester und oft sind nur wenige Medikamente auf Lager. So sieht der Gesundheitssektor in Sambia in wenigen Worten zusammengefasst aus. Man könnte meinen, dass ein mobiles Krankenhaus wie jenes, das Doctors Outreach Care International mit Unterstützung des Betonunternehmens Lafarge betreibt, vor allem in entlegeneren ländlichen Regionen zum Einsatz kommt, dabei brauchen es die Menschen hier, nur fünf Fahrminuten von einer der größten Städte Sambias entfernt, genauso dringend.

Der schlechte Zustand der Straßen entscheidet, wie mobil die mobilen Krankenhäuser wirklich sind. "Die Menschen hier verdienen eine gute medizinische Versorgung genauso wie die Bevölkerung in den ländlichen Regionen", sagt Brian Malao, ein Arzt, der heute hier freiwillig arbeitet.

"Wir untersuchen die PatientInnen hauptsächlich auf Tuberkulose und Malaria und versorgen sie mit den notwendigen Medikamenten", so Malao. Obwohl Operationen in dieser Ambulanz nicht möglich sind, können Malao und seine KollegInnen die häufigsten Krankheiten zumindest diagnostizieren und die PatientInnen, wenn nötig, an ein Krankenhaus verweisen.

Heiße Debatte um mobile Krankenhäuser

Während die Organisation Doctors Outreach Care International als eine der ersten in Sambia auf mobile medizinische Versorgung gesetzt hat, ist unlängst auch die Regierung auf diesen Zug aufgesprungen, oder hat es zumindest versucht.

Im April letzten Jahres präsentierte der damalige Präsident Sambias, Rupiah Banda, stolz das Ergebnis eines 53-Millionen-Dollar-Deals mit China. Seine Regierung hatte um das Geld neun hochmoderne mobile Krankenhäuser angeschafft - eines für jede sambische Provinz.

Diese Krankenhäuser, von denen jedes aus sieben großen Bussen besteht, sind mit allem Nötigen ausgestattet - von einem Operationssaal über ein Labor bis hin zu einer Apotheke. Damit, hieß es bei ihrer Präsentation, müsse die ländliche Bevölkerung nicht mehr große Distanzen zurücklegen, um gut medizinisch betreut zu werden. Ab jetzt könnten die Krankenhäuser zu ihnen kommen.

Vielen Sambiern erschien dies jedoch als zu schön, um wahr zu sein. Wie würde der unterfinanzierte Gesundheitssektor es schaffen, diese Krankenhäuser mit Personal auszustatten und mit Medikamenten zu versorgen? Und wäre es nicht besser, dieses Geld, ein Darlehen einer chinesischen Bank, in die Modernisierung der bereits existierenden und den Bau neuer Krankenhäuser in den entlegeneren Regionen Sambias zu investieren?

Angesichts des bevorstehenden Wahlkampfes berichteten regierungsnahe Medien von ersten Erfolgen der mobilen Krankenhäuser, um die hitzige Debatte etwas abzukühlen. Doch inzwischen, nur wenige Monate nach der Anschaffung der mobilen Krankenhäuser, ist es still um sie geworden. Mitarbeiter in einem Krankenhaus, vor dem die mobilen Einheiten zurzeit abgestellt sind, bestätigen, dass die Busse seit August nicht mehr im Einsatz waren. Haben sich die Befürchtungen der Kritiker bezüglich der Nachhaltigkeit dieses Projektes also schon bewahrheitet?

Dr. Emmanuel Makasa, der als Fachartzt für Orthopädische Chirurgie am Universitätsklinikum in Lusaka tätig ist, glaubt, dass dies teilweise der Fall sein könnte. Makasa war an den ersten Projekten dieser Art mit Doctors Outreach Care International und FLYSPEC (Flying Specialists) beteiligt. Er war in der Vergangenheit auch Generalsekretär der Zambia Medical Association und steht gegenwärtig der Surgical Society of Zambia vor.

"Mobile Krankenhäuser werden in Sambia gebraucht, aber sie kosten viel Geld", sagt Makasa. "Für sieben Busse braucht man sieben Fahrer und dazu kommen noch der Treibstoff und die Wartung."

Seine Hauptsorge ist aber, wie die sambische Regierung es schaffen würde, die mobilen Krankenhäuser mit Personal zu besetzen. "Der Arbeitskräftemangel ist das Hauptproblem des sambischen Gesundheitssektors", erklärt Makasa. "An der Universität von Sambia schließen durchschnittlich nur 50 ÄrztInnen pro Jahr ihr Studium ab. Woher bekommen sie also genügend Fachkräfte? Sie müssten von anderen Projekten abgezogen werden."

2010 waren in ganz Sambia nur 910 ausgebildete ÄrztInnen tätig. Bei einer Gesamtbevölkerung von fast 13 Millionen Menschen ist das weniger als die Hälfte der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Zahl. Und die Lage wird noch zusätzlich dadurch verschärft, dass fast 50% der ÄrztInnen in der Hauptstadt Lusaka im Einsatz sind (Human Resources for Health Country Profile, 2010).

Die Suche nach dem richtigen Weg

Makasa schlägt vor, dass der Schwerpunkt dieser Krankenhäuser woanders liegen sollte. "Sie sind zu teuer, um nur eine allgemeinmedizinische Versorgung anzubieten oder Krankheiten wie Malaria oder Erkältungen zu behandeln - das kann jeder. Woran es am meisten fehlt, ist die spezifische Behandlung von Tumoren oder Frakturen, die Möglichkeit Operationen durchzuführen."

Aus diesem Grund sieht er in den amerikanischen mobilen Krankenhäusern, die aus nur einem Bus bestehen, mehr Potential. "Sollen doch die Augenchirurgen ihre eigene mobile Ambulanz haben - so eine, wie sie sich vorstellen. Sie könnte in Lusaka stehen, und sie könnten dann eine Woche pro Monat damit hinausfahren, um Augenoperationen durchzuführen", so fasst Makasa seine Idealvorstellung zusammen. Seiner Meinung nach könnten die bereits angeschafften mobilen Krankenhäuser zu diesem Zweck oder auch für den Katastropheneinsatz sehr wohl adaptiert werden.

Sein Kollege Brian Malao, der in der mobilen Ambulanz von Doctors Outreach Care International im Einsatz ist, vertritt auch die Meinung, dass das Projekt zu groß und zu ehrgeizig angelegt ist. Seiner Ansicht nach hätte sich die Regierung lieber auf die Ausweitung des bereits existierenden Systems fliegender Ärzte (Zambian Flying Doctor Service) konzentrieren und dafür Hubschrauber anschaffen sollen.

Offiziell gibt es für diese Vorschläge keine Notwendigkeit, weil es kein Problem mit den mobilen Krankenhäusern gibt. "Sie werden wie geplant betrieben werden, das Geld ist vorhanden und das Budget dafür zugeteilt", versichert Dr. Welani Chilengwe, der im Gesundheitsministerium für mobile medizinische Versorgung und Notfallmedizin zuständig ist.

Viele sehen den Grund dafür, dass die mobilen Krankenhäuser auf dem Parkplatz verstauben, jedoch darin, dass nach dem Wahlsieg der Oppositionspartei Patriotic Front im September 2011 nun eine neue Regierung im Amt ist. Dabei zählte gerade diese Partei zu den schärfsten Kritikern, als die mobilen Krankenhäuser angeschafft wurden, und hatte dem damaligen Präsidenten Banda vorgeworfen, sie nur als teures Wahlkampfmittel zu benutzen.

Mehrere Mitarbeiter des Gesundheitssektors bestätigen, dass die neue Regierung bezüglich der weiteren Vorgehensweise nun Experten hinzugezogen habe. Dabei hat Vizepräsident Guy Scott im Parlament bereits angedeutet, dass  die Regierung die Absicht habe, die mobilen Krankenhäuser nun, da sie schon einmal angeschafft worden seien, auch weiter einzusetzen.

Übersetzung aus dem Englischen von Alexandra Skriba und Christopher Cooper

Bild:

Vor einer mobilen Ambulanz, die von Doctors Outreach Care International in Ndola, Sambia, betrieben wird, warten Menschen, um von freiwilligen ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen untersucht zu werden. Fotos von Jorrit Meulenbeek

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